Es wird wärmer und wärmer!
30 mei 2024 - Lausanne, Zwitserland
Hallo liebe Leute
die Räder rollen. Ich komme flott vorwärts und die Temperaturen steigen auch! Kaum vorzustellen, dass ich vor 3 Wochen im Schnee steckengeblieben bin. Die letzten 6 Tage waren sehr sehr abwechlungsreich mit ein paar Highlights! Viel Vergnügen beim Lesen.
24. Mai (77.1km)
Ich sitze am Picknicktisch auf dem El Morro Campground, es lüftelet angenehm und ich schaue auf einen coolen, abwechslungsreichen Tag zurück!
Von nun an ist wirklich alles (ausser die Stadt Flagstaff in Arizona, die ich ungefähr in einer Woche erreichen will) Neuland.
Kurz nach halb Acht ging es los. Aber schon kurz danach der erste Halt: Fotostopp beim Route 66 Tor und das Aufkleben eines Stickers vom Bikeclub Diemtigtal. Ein Schüler aus Wattenwil hat mir "Post" mitgegeben.
Auf dem Hw53 ging es dann Richtung El Morro. Ab und zu roch es nach Rauch. Eine Hinweistafel wies aber darauf hin, dass man nichts melden soll. Wahrscheinlich waren dies sogar extra angelegte Feuer.
Nach 45km schwenkte ich von der Hauptstrasse ab zum Ice Cave Trading Post. Nach dem Registrieren und Bezahlen (konnte 1$ Radfahrerrabatt herausholen🤭) ging es auf einen rund einstündigen Spaziergang. Zwei Sehenswürdigkeiten waren die Highlights dieses alten Vulkangebietes: 1. Der Bandera Krater, ein 800 Fuss tiefer und 1400 Fuss breiter Krater. 2. Die "Ice Cave". Nach dem Abstieg über 72 Stufen befand ich mich in dieser Höhle, wo die Temperatur nie über dem Gefrierpunkt ist. So waren Eiszapfen und ein gefrorener Teich zu sehen. Die Eisdicke soll bis zu 6m betragen. Im wahrsten Sinne des Wortes ein cooles Erlebnis!
Zurück beim Eingang dann zum ersten Mal Leute aus der Heimat getroffen und gesprochen: ein junges Paar aus Bülach war mit einer gemieteten "schweren Maschine" unterwegs.
Auch die zweite Hälfte meiner Fahrt war sehr schön! Beim Zvierizwischenhalt im Ancient Way Cafe traf ich auf die Hikerin Mellow. Sie machte mit einem Freund einen Tagesausflug mit einem Auto. Wobei: als ich weiterfuhr, probierten sie noch immer den Motor zu starten... mein Motor lief heute sehr gut!
Der heutige Camping ist im Nat.Monument Gebiet El Morro und ist gratis! Manchmal komme ich einfach mit diesen "Preisen" nicht nach. Aber der Ranger hatte mit seine Bemerkung sicher recht:"The price is right!"
So, mein Abendprogramm geht gleich los.
25. Mai (95.8km)
Auch die heutige Fahrt nach Gallup ging im Fluge vorbei. Ich teilte mir die Strecke in günstige Abschnitte ein. Von den Höhenmetern her war es ziemlich einfach. Die Windrichtung wurde immer besser, weil ich zuerst Richtung Westen fuhr und nach 40km Richtung Norden abschwenkte. Könnt selber herausfinden, woher es blies😄. Am frühen Nachmittag in Vanderwagen (woher wohl dieser Name kommt?) dann die erste Möglichkeit, den Durst mit etwas anderem als Wasser zu löschen.
Die letzten 7km zum Camping (etwas ausserhalb der Stadt) wurden dann noch eine richtige Herausforderung. Es wehte wieder wie verrückt, aber immerhin konnte ich fahren!
Auf dem Camping traf ich Bob aus New York. Auch er ist mit dem Velo unterwegs. Dieses Mal war er in San Diego gestartet und sein Endziel ist Albuquerque.
Nach diesem Tag blieben die Pfannen in den Taschen, "Taco Bell" wurde heimgesucht.
Beim Zurückkommen fragte ich im Office nach heissem Wasser (für meinen Morgenkaffee). Der Manager hatte eine bessere Idee: er machte extra für mich Kaffee. Ich fragte ihn nach dem Preis, er meinte:"You paid the site, so the coffee is included!". Wenn das immer so einfach wäre😊
Bevor ich einschlief, doch ein Blick auf den WetterApp: praktisch kein Wind für morgen! Juhui!
In der Nacht hörte man nicht nur die Eisenbahn, sondern auch einen Mann, der verzweifelt nach "Johnny", seinem Hund, suchte...ob er ihn gefunden hatte?🙄
26. Mai (76.6km)
Ich denke, dass heute der einfachste Velotag bisher war. Jetzt befinde ich mich "endlich" auf der Route 66, Richtung Kalifornien. Die meiste Zeit fuhr ich auf der alten Strasse, parallel zum Interstate 40, ohne Verkehr, keine Steigungen. Ungefähr 12km musste ich dann auf dem Highway selber fahren. Dies werde ich auch in der kommenden Zeit tun müssen. Ich werde diese Abschnitte "Trainingseinheiten" oder "Überbrückungsstrecken" wie beim Paris-Dakar-Rallye nennen, weil für das Sightseeing dann nicht so viel Zeit übrig bleiben wird. Der Shoulder (Pannenstreifen) war sehr breit, ich fühlte mich sehr sicher. Gegen den Lärm schützte ich mich mit dem Buffy um die Ohren.
Nach einer längeren Mittagspause beim Einkaufszentrum in Sanders entschied ich mich spontan, doch ein Motelzimmer in Chambers (une chambre à Chambers) zu nehmen. Ich freute mich schon auf das ausgebreitete Frühstücksbuffet, welches im Preis inbegriffen war. So wird die morgige Etappe halt etwa 10km länger. Und auf diese freue ich mich auch wieder sehr!
27. Mai (95.8km)
Pünktlich um 6.30 Uhr stand ich vor der Türe vom Restaurant. Und diese war geschlossen und öffnete sich auch in den nächsten 45 Minuten nicht. Die Köchin erschien "einfach" nicht. Die Frau an der Rezeption probierte zwar zu helfen, aber erfolglos.
Da ich einen langen Tag vor mir hatte und Fahren ohne Frühstück gar nicht geht, frühstückte ich aus der eigenen Tasche.
Die ersten 37km waren "Training". Dann erreichte ich das Visitor Center des Petrified Forest NP am nördlichen Eingang. Nach einem Kaffee und Egg-Quesadillas (die Hälfte packte ich ein für den Lunch) rüstete ich mich mit der Übersichtskarte mit allen Sehenswürdigkeiten aus und es konnte losgehen! Ich fuhr "helmlos", nicht zu verwechseln mit "kopflos". Dann war mein Sichtfeld etwas grösser in dieser wunderbaren Umgebung. Es war der Hammer! Schaut die Fotos an! Nach gut 50km kam ich am Nachmittag beim südlichen Visitor Center an. Erst mal eine Cola! Dann entschied ich mich, bei den Picknicktischen zu kochen, so dass ich nachher noch alle Flaschen mit Wasser auffüllen konnte. Mein heutiger Lagerplatz hatte weder Wasser noch Toiletten, war aber gratis😇. Die Fahrt dorthin dauerte noch etwa 10 Minuten. Ich liebe die "Abendfahrten".
Ich fand ein gutes Plätzchen und schlief sehr gut!
28. Mai (96.3km)
Um 7 Uhr schon startbereit! Ich liebe nicht nur die Abendfahrten, sondern auch die Morgenfahrten. Das Ziel war Winslow. Wer kennt diesen Ort nicht?
"I am standing on the corner in Winslow Arizona", Ausschnitt vom Eagles-Song "Take it easy".
Es wurde eine einfache Fahrt. In Holbrook nach 30km einen Kaffee- und Burritostop. Nach weiteren 20km entschied ich mich für die "Winslow-Alternative". Das hiess 30km Schotterstrasse statt "Training" auf dem Interstate. Ich durfte annehmen, dass bei diesen hohen Temperaturen kein "Schlammassel" wie bei Arroyo Hondo entstehen würde. Und dem war auch so! Coole Fahrt, kein Auto oder Leute gesehen, und auch keine Tiere.
Etwa 10km vor Winslow checkte ich noch einen Camping. Aber dieser überzeugte mich gar nicht: kein Wasser, keine Schattenplätze (war es heute 30 Grad?🤔) und die Toiletten sehr schmutzig.
So entschied ich mich doch wieder für ein (billiges) Zimmer (mit Frühstück).
Und ich konnte den "Groove" der Eagles am "Corner" noch geniessen.
Gehe morgen nochmals zurück.🎶🎶.
29. Mai (57.2km)
Das Hotelzimmer war tiptop, nur die Nachbarn hatten Party bis früh in den Morgen.
Das Morgenessen war in Ordnung, konnte meine Waffel selber "bretzeln" oder wie man dem sagt.
Dann ging es zum Safeway, Taschen füllen.
Und schlussendlich ging ich nochmals zu den "Adlern", hörte mir dieses Mal sitzend ein paar Songs an und verliess dann diesen doch witzigen Ort. Weil ausser diesem "Corner" hat Winslow nicht viel zu bieten.
Ich merkte gut, dass ich etwa 2.5 Stunden später gestartet war: der Wind blies beträchtlich und die gut 40km Trainingsfahrt auf dem Interstate waren ziemlich eintönig.
Beim Camping "Meteor Crater" deponierte ich das Gepäck, ass noch schnell eine Glace und dann machte ich mich auf den Weg zum richtigen Krater. Bei der Kasse fragte ich nach dem Rabatt für Gäste des Campings. Sie meinte, diesen gebe es nur für 2 Personen🤪. Wenigstens den Seniorenrabatt gab sie mir👌.
Nach dem Film dann die Besichtigung dieses Riesenloches, welches vor 50 000 Jahren entstanden war. Ein guter Grössenvergleich ist, dass der Boden Platz für 20 Fussballfelder (also 180 Handballfelder😄) hat und die "Tribüne" ringsherum 2 000 000 Leute fassen würde.
Zurück beim Camping dann das Abendprogramm. Die Mauer gegen den Wind war zum Kochen wirklich nötig.
So, ich schicke diesen Bericht mal los.
Morgen geht es nach Flagstaff, eine Stadt, die ich bereits auf zwei früheren Reisen besuchte. Deshalb werde ich wahrscheinlich "durchfahren". Ich könnt es im nächsten Bericht lesen.
Bis dann🙋🏻♀️
Foto’s
1 Reactie
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Anja:2 juni 2024Deine Berichte sind immer sehr spannend und kurzweilig. Diesen Teil deiner Tour kenne ich teilweise vom letzten Sommer. Dein Tagebuch bringt mein Kopfkino zum Laufen und ich reise ein wenig mit dir mit. Danke!
