Pässe, Wälder und Wasser zum Schluss

3 juli 2024 - Zurich, Zwitserland

Hallo zusammen
seit gut drei Stunden sitze ich im Zug von Reno (Nevada) nach Glenwood Springs (Colorado).
Meine Tour ist zu Ende.
Was ich in den letzten Tage von Mono Lake bis Reno erlebt und gesehen habe, könnt ihr hier lesen.


27. Juni (47.6km)
Nach dem gestrigen langen Tag heute bis halb Sieben ausschlafen. Da ich gestern nicht gekocht hatte, gab es vorerst auch keinen Morgenkaffee.
Noch mit Debbie und einem anderen Nachbarn geplaudert, dann bei der Rezeption mein Herausgeld holen. Dieses landete aber sogleich im "Sponsorenkässeli". Dann ging es zum Einkaufen. Die Auswahl war ziemlich beschränkt, aber es sollte in den nächsten Tagen doch mehr Einkaufsmöglichkeiten geben.
Dann ab ins Cafe (mit Brownie), wo ich den letzten Blog und die schwierige Auswahl der Fotos aus dem Yosemite hochlud.
Nächster Stopp war etwa 1km weiter: Mono Basin Scenic Area Visitor Center. Ich schaute mir einen interessanten Film über eine Indigene Familie aus dem Gebiet an. Ich wusste auch nicht, dass der Mono Lake ein Wasserspeicher für die Leute in LA ist und von 5 Bächen gespiesen wird. Durch die hohe Verdunstung ist der Salzgehalt über 10%.
Dann machte ich mich richtig auf den Weg und es begann mit einem Anstieg zum Conway Summit. Da wieder "Road Work" war, hatte ich intervallweise die Strasse für mich und zudem war der Shoulder breit! Beim Aussichtspunkt kurz vor der Passhöhe nochmals ein "langer" Blick zurück auf den See und die Berge.
Was erwartete mich auf der anderen Seite? Eine superschöne Abfahrt mit Aussicht auf Schneeberge, grüne Weiden. Es erinnerte mich etwas an Idaho. Plötzlich realisierte ich, dass ich mich auf einem Scenic Byway befand.
Beim Virginia Creek Settlement machte ich einen Esshalt. Den Preisen der Speisekarte entsprechend musste es sich um ein exklusives Restaurant handeln. Ich bestellte einen Haussalat mit Blue Cheese für 18$. Freute mich auf etwas Besonderes und auch auf  eine angemessene Portion. Schaut das Foto an... das Trinkgeld konnten sie sich ins "Chemi" schreiben.
In Bridgeport ging es zum Zeltplatz. Ich bekam einen schönen Platz mit Aussicht auf den See und die Berge. Welcher nun genau der Matterhorn Peak ist, konnte ich nicht herausfinden. Die Besitzerin hat Schweizer Wurzeln und irgendwo sah ich einen Gedenkstein mit dem Namen "Wenger".
Da ich Zeit satt hatte, wusch ich meine Kleider wieder mal. Fast alles wurde sauber, nur die Kapuze von meinem  blauen Jäckli wird wahrscheinlich immer orange Flecken vom ausgelaufenen Gatorade haben....
Zum Kochen hatte es zu viel Wind. So gab es heute ein "Picknickznacht". Bin ja auch nicht so weit gefahren.
Ein herrlicher Zeltplatz!

28. Juni (70.3km)
Wieder ausschlafen. Es ist auch nicht mehr so heiss und ich werde heute nur einen Pass überqueren mit etwa 350 Höhenmetern.
Ja, beim Packen dann die Entdeckung, dass "jemand" an meinen Crackern Gefallen gefunden hatte. Macht man sich Gedanken  wie man Essen vor Bären schützen kann, und dann frisst eine Maus einem etwas weg. Sie hatte soviel gefressen, dass sie auch noch gleich in der Tasche "verdaut" hatte. Also zuerst Taschen ausräumen und putzen🤭.
Dann verdiente ich noch einen Kaffeehalt (inkl. Muffin), bevor es richtig losging.
Die Fahrt entlang des Swauger Creek war sehr einfach. Heute erinnerte es mich mehr an Colorado, etwas weniger grün als gestern. Immer aber noch Schneeberge in Sicht.
Am intervallmässigen Gegenverkehr konnte ich erahnen, dass irgendwo wieder ein Flagger auf mich wartete🙊. Dem war auch so: 20 Minuten Wartezeit, aber zwei Frauen aus Reno waren an meiner Reise interessiert, so dass die Wartezeit im Nu vorbeiging.
Somit hatte ich auch wieder die Strasse zeitweise für mich. Wenn die nächste Blechlawine an mir vorbei kam, wartete ich einfach und konnte dann die Ruhe und Landschaft entlang des West Walker Rivers geniessen!
In Walker zuerst etwas einkaufen, und dann einen Salat und Fries essen. Es scheint, dass hier die Preise wieder normaler sein👍.
Wo sollte ich heute übernachten? Morgen steht der Monitor Pass mit gut 1000 Höhenmetern vor mir. Ich wollte möglichst nahe zum Startpunkt, so dass ich morgen gleich bei der Abzweigung zum Sw 89 starten konnte.
Auf Google Maps sah ich, dass ein Feuerwehrmagazin von BLM bei der Abzweigung ist, sozusagen also Arbeitskollegen von Don (und mir, wenn ich auf dem Camping bin😉).
Daneben noch eine Rest Area mit Toilette. Perfekt!
Der Ranger füllte mir den Wassersack auf, gab mir zusätzlich 4 kleine Flaschen und zwei Päckchen "Isotonie". So bin ich für morgen gut ausgerüstet!

29. Juni (50.6km)
Halb Sieben alles bereit. Und es ging gleich "zur Sache", resp. in den kleinsten Gang. Nach einer kurzen Schlucht öffnete sich die Gegend und ich konnte "weit oben" die Strasse sehen. Bis zu den Haarnadelkurven war es ziemlich steil. Es begegneten mir auch einige Rennvelofahrer. Später vernahm ich, dass heute eine Art Vorbereitungsanlass für den "Death Ride" (tönt vielversprechend...) vom 13. Juli stattfand. Dieses "Rennen" kann man mit dem Alpenbrevet in der Schweiz vergleichen. Von Markleeville aus werden 3 Pässe überquert, jeweils von beiden Seiten (also 6 Anstiege); die Gesamtstrecke beträgt 103 Meilen und die Gesamthöhendifferenz 14000ft (4200m).
Und ich machte also einen dieser sechs Anstiege😉.
Der zweite Teil war etwas flacher, so dass ich nach 2.30 Stunden und 15.6km die Passhöhe erreichte. Ich befand mich nun im Alpine County (Kanton) und der Name passt perfekt zur Landschaft. Die Abfahrt entlang des East Fork Carson Rivers bis nach Markleeville war wieder ein Genuss. Dort war Märit, ich zog diesem aber ein cooles Restaurant für einen (dieses Mal) grossen Salat vor. Dann ging es weiter, nochmals einen kurzen Anstieg/Abfahrt nach Woodfords. Ich bog auf den Hw88 ab, eine wichtige Verbindungsstrasse von Nevada durch die Sierra nach Kalifornien. D.h. ziemlich Verkehr  aber einen breiten Shoulder. Diesen benutzte ich auch, weil von hier an bereits der Anstieg zum nächsten resp. letzten Pass, dem Luther Pass begann. Diesen wollte ich aber erst morgen überqueren. Für heute genug Höhenmeter. So fand ich auf dem Crystal Spring CG einen kleinen, aber feinen Platz!

30. Juni (81.8km)
Erstes Ziel heute war also der Luther Pass mit noch ca. 500 Höhenmetern. Auch hier der erste Teil ziemlich steil, der zweite gemässigt. So, und von nun an die Abfahrt Richtung Lake Tahoe. Diese führte zum Teil über die alte Passstrasse, geteert, aber einspurig und durch den Wald. Durch den Wechsel von Licht und Schatten musste ich aufpassen, dass ich den Schlaglöchern ausweichen konnte. Ja, und dann begann die Fahrt auf dem Radweg via Meyers nach South Lake Tahoe! Dort musste ich mehr aufpassen, dass ich den anfängerhaften  Chinesischen Radfahrern ausweichen konnte..
Seit langer Zeit ging ich wieder mal in einem richtigen Supermarkt einkaufen. Und ich brauchte "ewig", bis ich meine paar Sachen fand😉, den Mc Donalds auf der gegenüberliegenden Strassenseite fand ich jedoch sofort!
Auch nach dieser Pause ging es weiter auf dem Radweg Richtung Norden. Da dieser aber durch den Wald führte, dauerte es eine Weile, bis ich endlich den Lake Tahoe und die umliegenden Berge zu Gesicht bekam.
Bis Meeks Bay musste ich wieder auf die normale Strasse. Es war Sonntag, etwa so wie am Thunersee entlang...
Nach einem Glacestopp beim Resort dann wieder Radweg, am Schluss bei Sunnyside direkt am See entlang (wie am Thunersee).
So langsam realisierte ich, dass dieser Trip bald zu Ende sein würde und es endlich Zeit für ein Glas Wein zum "Feiern" war. Direkt gegenüber dem heutigen Camping war ein Restaurant mit Terrasse am See (wie am Thunersee🙃). Es war bumsvoll, gutes Zeichen! Der Rotwein aus Mendoza (Argentinien) und das Ceviche Stack (Foto) schmeckten vorzüglich.
Dann zum Camping Nr.37, den ich zwei Tage zuvor (Lake Tahoe ist ein sehr beliebtes Feriengebiet und am nächsten Donnerstag ist 4th July) reserviert hatte.
Und später noch einen Spaziergang zurück an den See.

1. Juli (45.8km)
Die nächsten beiden Tage werden nur noch kurze Etappen sein.
Heute morgen noch mit Vater/Tochter aus Massachusetts gesprochen. Sie waren gestern nach 500 Meilen von Salt Lake City angekommen. Die Tochter wird ein sechsmonatiges Praktikum als Winzerin machen.
Dann fuhr ich (immer noch Radweg) Richtung Tahoe City, kam aber nur bis zum "Tahoe House". Ich hatte ja noch keinen Kaffee heute. Beim Eintreten in den Laden genügten zwei Blicke, und ich wusste:" Das sind Schweizer!". Der erste Blick war ein Bild vom Matterhorn und der zweite Blick war die immense Auswahl an Broten und Torten und Gipfeli und... die Verkäuferin bestätigte meine Vermutung. Und wenn es gewindet hätte, hätte ich es auch an der Schweizer Fahne sehen können.
Nächster Halt: schattiger Platz am See zum Blog schreiben. Ich hatte mich kaum niedergesetzt, als eine Frau mich fragte, ob ich ein Messer hätte. Sie hatte für ihre Enkeltochter "Sandelispielzeug" gekauft und da waren noch zwei Tie Rips (Schnellbinder), die entfernt werden mussten. Messer natürlich zur Hand, und nach gut einer Stunde hatte ich keine einzige Zeile geschrieben, sondern ganz lang mit Elaine geplaudert. Und was kommt jetzt wieder? Sie reist am 21. Juli mit Freunden in die Schweiz, wird u.a. in Lauterbrunnen und Thun übernachten.
Ob es zu einem Wiedersehen kommt, werden wir sehen; ein paar Tips konnte ich ihr jedenfalls geben🤗.
Dann doch noch etwas velofahren. 2017 war ich die Strecke von Truckee nach Tahoe City schon gefahren. An vieles konnte ich mich noch erinnern: die vielen Gummibötli auf dem Truckee River, der gute Radweg entlang des Flusses, die Abzweigungen zu den Skigebieten Palisades Tahoe/Squaw Valley und der 7-11 Laden.
In Truckee (war beliebt als Drehort vieler Westernfilme) dann lunchen und beim Wegfahren stoppte der Amtrakzug, den ich morgen dann in Reno nehme.
Noch 16 km weiter, z.T. auf einer Dirt Road zum letzten Camping: Boca Reservoir. Im See noch gebadet/gewaschen und dann zum letzten Mal gekocht. Die Tasche mit den Esswaren ist praktisch leer....
Später fuhr die Feuerwehr mit Blaulicht Richtung Wald und einige kleine Flugzeuge waren auf Kontrollflug (?). Irgendwo sicher ein Waldbrand😥
Letzte Nacht (vorerst) im Zelt. Es wird mir fehlen...

2. Juli (52.4km)
Meine letzte Etappe nach Reno.
Schon gestern befand ich mich bis Truckee auf dem Tahoe Pyramid Trail. Nach etwa 3km heute morgen bog ich wieder auf diesen ab. Der Trail führt alles entlang des Truckee Rivers. Aber es wurde anders als gestern. Bald befand ich mich auf einem Single Trail...wo es mit all meinem Gepäck bald zu Fuss weiter ging. Auf der rechten Seite ging es steil zum Fluss hinunter. Da ich heute Nachmittag den Zug in Reno den Zug erreichen wollte, wich ich zweimal für einige Kilometer auf den Interstate aus (sozusagen Schlusstraining😉). Vor Verdi folgte der Trail dann den asphaltierten Nebenstrassen, die letzten 10km fuhr ich direkt am Fluss entlang und konnte wieder den "Gummibötlern" zuschauen.
Am Riverwalk in Reno dann eine Weile stillstehen und realisieren, dass ich am Ende dieser Tour war😥😊.
Nachdem ich am Bahnhof mein Ticket abgeholt hatte, ging ich beim Vietnamesen essen. Der Kellner passte gut auf mein Velo auf! Als es ums Bezahlen ging, meinte er:"Your meal is already paid by the four men who left the restaurant a few minutes ago". Ja, was für eine Überraschung und ich konnte nicht einmal Merci sagen.
Das Einsteigen/Verladen in den Zug verlief problemlos und jetzt wird 18 Stunden nichts gemacht🙄🙄.
Der Schlussbericht mit einiger Statistik kommt später mal.

Ihr hört von mir!
E gueti Zyt!
 

Foto’s

1 Reactie

  1. Theo Wesker:
    9 juli 2024
    Wat een mooie reis heb je weer achter de rug. Met een beetje weemoed de foto's van de parken bekeken. Het zal er niet gauw meer van komen want Amerika wordt onbetaalbaar. Des te leuker om te lezen hoe jij op jouw manier het toch voor elkaar weet te krijgen.
    Genoten van je foto's en verhalen.