Ich dachte, der Winter sei vorbei

16 mei 2024 - Questa, New Mexico, Verenigde Staten

Liebe Freunde
Während ihr das sonnige Auffahrtswetter geniesst, verlängere ich hier die Wintersaison (hoffentlich nicht mehr lange).

9. Mai (Fortsetzung) (79.5 km)
Kurz ausserhalb von Salida wurde es Zeit, die Regenmontur anzuziehen. Und diese blieb auf den knapp 40 km bis zum Bighorn RV Park in Coaldale an. Ich wusste, dass es nichts mit Zelten würde. Es dauerte mehr als eine Stunde, bis der Besitzer auffindbar war. Zum Glück war es im Toilettengebäude trocken (warm war es nicht). Wahrscheinlich hatte der Besitzer doch ein schlechtes Gewissen: er gab mir $8 Ermässigung🤗. Dann hiess es im Zimmer die Heizung "auf volle Pulle" stellen, so dass vor allem meine Hände wieder arbeiten konnten. Nach der heissen Dusche und dem Znacht war alles wieder tiptop!

10. Mai (44.5 km)
Der erste Blick am Morgen nach draussen: etwa 10 cm Neuschnee und die weissen Flocken fielen in grossen Mengen vom Himmel. Tja, dann hiess es warten und hoffen. Irgendwann fiel dann noch für einige Stunden der Strom und das Wasser aus. War für mich kein Problem, da ich die Powerbank dabei habe. Und eines meiner Bidons war auch noch voll.
Gegen Mittag wurde es etwas heller, und ich entschloss mich, wenigstens bis Westcliffe zu fahren. Die ersten 6 km führten noch entlang des Arkansas Rivers, dann ging es auf eine Verbindungsstrasse zum Hw 69. Es ging alles aufwärts, und so kamen die etlichen "Entkleidungsstopps". Es war nicht kalt und ab und zu zeigte sich sogar die Sonne.
Nach 11 km erreichte ich den Hw 69 und von nun an befand ich mich im Wet Mountain Valley. Es ist eigentlich mehr eine Hochfläche, ich fand es wunderschön!
Nach der kurzen Esspause begann es wieder heftig zu schneien und die Sicht betrug etwa 100 m. Zum Glück war es beinahe nur noch flach, so konnte ich doch etwas Fahrt machen, um vor der Ladenschlusszeit im erstbesten Cafe in Westcliffe ein Tee und einen Bagel zu essen.
Nach einigem Suchen fand ich auch eine Unterkunft, eigentlich eine ganze Wohnung. Ich kann mich immer noch nicht mit dem Online-buchen (ohne Office) anfreunden...
So, noch abwaschen und dann in die Heja!

Bin natürlich wieder auf das Wetter von morgen gespannt. Die verschiedenen Apps zeigen verschiedenes Wetter, darum am besten einfach am Morgen zum Fenster hinausschauen😉

11. Mai (etwa 600 m🤭)
Und dieser Blick zeigte: heftiger Schneefall! Für mich war klar, dass ich so nicht weiterfahren würde. Der nächste grössere Ort ist Walsenburg, liegt knapp 100 km weit entfernt, und dort will ich eigentlich gar nicht hin....so entschied ich mich, erst übermorgen weiterzufahren. Ich buchte in einer anderen Unterkunft für zwei Nächte und stellte mich auf ein Weekend Westcliffe ein.
Eigentlich wäre ich hier ja nur durchgefahren, so lernte ich diese Kleinstadt auf einem Spaziergang doch kennen. Die Geschichte ähnelt vielen anderen US-Orten : Einwanderer aus Europa, glorreiche Minenzeiten, historische Wildwestgebäude, verlassener Bahnhof als Museum und doch als "Überraschung" viele Amische Leute. Für mich immer noch ein "Volk mit sieben Siegeln", aber sie gefallen mir. Amüsant fand ich das Ehepaar in der Bibliothek an den Computern, währenddessen die Kinder in der Spielecke spielten...(was sie wohl alles  zuhause nicht haben🤔)
Weiter gehört Westcliffe zur Organisation der "Dark Sky Community", ist ein sogenanntes Lichtschutzgebiet. Da die Luftverunreinigung hier sehr tief ist, können in der Nacht wunderschöne Sternenhimmel beobachtet werden (ja, wenn es nicht schneit....). Beim Bluff&Summit Park ist deswegen ein kleines Amphitheater eingerichtet worden.

Am Abend zeigte sich dann doch die Sonne, so dass ich zum ersten Mal eine schöne Aussicht auf die Sangre de Christo Range mit den 8 14-ers (höher als 14 000 feet hoch) hatte. Gute Entscheidung hier zu bleiben!

12. Mai (22.6 km)
Auch den heutigen Tag verbrachte ich in Westcliffe. Am Morgen eine kurze Biketour zum De Weese Reservoir (tönt doch sehr nach Holland), dann zum ersten Mal ein Burgeressen (morgen kann ich die Energie gebrauchen) und irgendwie ging auch dieser Tag vorbei. Am Abend beim Packen stellte ich fest, dass mein Wassersack ein kleines Loch hat. So ging ich noch schnell in den Supermarkt und kaufte 3 Wasserflaschen.
Morgen los es "endlich" richtig loslegen. Freue mich riesig!

13. Mai (100.3 km)
Die Sonne schien am Morgen, die Temperatur fragte aber noch nach vielen Kleiderschichten und Handschuhen.
Die ersten 27km führten mich "talaufwärts". Die wunderschöne Aussicht auf die 14-ers machten diesen Teil schon zu einer einmaligen Fahrt.
Danach folgte eine 43km lange Abfahrt mit Rückenwind! Was will man mehr? Dazwischen in Gardner eine Esspause.
Später verliess ich den Hw69 und machte mich auf eine 22km lange Fahrt auf einer Dirt Road als Abkürzung zum Hw160. Ursprünglich wollte ich schon viel früher eine solche Verbindungsstrasse nehmen, so dass ich direkt auf der Passhöhe des La Veta Passes den Hw160 erreichen würde. Wegen des vielen Schnees entschied ich mich für die "sichere" Route. Vollbepacktes Rad durch den Schnee schieben gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen...
Diese Dirt Road war super zum Fahren und landschaftlich gesehen auch sehr schön.
Früher als erwartet erreichte ich den Hw160 und ich entschied mich, im Städtchen La Veta auf dem Camping zu übernachten. Als der Besitzer meine Nationalität hörte, erzählte er ganz stolz dass vor einem Jahr Isa Pulver (Gewinnerin Race Across America) hier übernachtet hätte. Jaja, bin etwas langsamer unterwegs....
Das war schon mal ein ganz besonders schöner Tag!
Dann endlich das Zelt aufstellen und das Abendessen draussen geniessen!

14. Mai (62.3 km)
Heute morgen wieder Sonnenschein! Die Nacht war nicht kalt, auch wenn ich immer noch auf 2200 m.ü.M. bin.
Heute stand der La Veta Pass (2870 m.ü.M.) "auf der Karte". Gestern Abend entdeckte ich eine Country Road bis auf 2600m, so dass ich vor allem dem Lastwagenverkehr ausweichen konnte. Am Anfang ging alles gut, bis bei einer Ranch "Road Closed" stand. "Zufällig"(?) war der Rancher draussen und konnte mich aufklären: 2018 wurde bei einem  grossen Waldbrand die Strasse weggespült. Ich könne aber vielleicht durch. Also nachschauen, und: NO WAY! Also wieder umdrehen und schon auf 2400 m auf den Highway. Kurz davor dann wieder mal ein unangenehmes Treffen mit einem Hund. Warum hat ihn der UPS-Postfahrer eine halbe Minute vorher nicht....?
Die Fahrt zur Passhöhe kostete mich mehr Stopps als erwartet: der aufkommende Gegenwind machte mir nicht so Freude... ungefähr 400m vor der Passhöhe überholte ich aber plötzlich alle Autos: die Strasse war wegen Arbeiten für ca. 5km nur einspurig befahrbar und die Fahrer mussten auf den "Pilot Car" warten.
Die Abfahrt war wegen des Gegenwindes weniger einfach als gestern, aber für mich stellte sich mehr die Frage, ob ich Fort Garland trocken erreichen würde. Der Himmel war schwarz... ich hatte Glück! Als Belohnung eine Portion Pommes Frites (the best ones in the States?) und eine Cola.
Jetzt gehts auf die Suche nach einer Unterkunft.
Und diese fand ich beim Uta Creek RV Park. Ich musste den Besitzern ein grosses Kompliment machen: den Preis bezahlt man hier pro Person und nicht pro Platz: $20.- mit Dusche, direkt am Creek. Ich musste mit dem Aufstellen noch warten, bis der Regen aufhörte. Abendessen in der Abendsonne, herrlich!

Das nächste Mal kommt mein Bericht aus New Mexico; da geht's morgen nämlich hin!

Liebe Grüsse und tschüss

Foto’s

1 Reactie

  1. Anja:
    16 mei 2024
    Das tönt abenteuerlich! Da muss man schon von besonderem Holz geschnitzt sein, um diesem Wetter zu trotzen. Ich habe nun die Karte wieder nach vorne geholt und folge deiner Tour von weitem. Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht. Hoffentlich hast du bald besseres Wetter!